GEspringWAsser Schmalkalden
Gothaer Str. 2a
98574 Schmalkalden
Historie - Kurzüberblick
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Wasserversorgung

mittelalterliche Holzrohrleitung aus der Stadt Schmalkalden - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)

Nach archivalischen Unterlagen soll die Schmalkalder Gespring-Quelle ("Das Gespring") 1415 urplötzlich während eines Unwetters auf den heutigen Gespringwiesen begonnen haben zu sprudeln (artesische Quelle). Längere Zeit wurde dieses Naturphänomen mit der für das Mittelalter typischen Gottesehrfurcht bestaunt, bevor die Quellaustritte baulich gefasst wurden und man das Quellwasser in die nahegelegene Stadt leitete. Dies kann man durchaus als Beginn der öffentlichen Wasserversorgung dieser größten artesischen Quelle (durchschnittlich mehr als 20.000 m³ am Tag) im südthüringer Raum bezeichnen. Um 1530 wurde ein erstes städtisches Versorgungsnetz aus Holzröhren gebaut, um in Schmalkalden Brauhäuser und Laufbrunnen auf zentralen Plätzen zu beliefern.


historische Aufnahme vom Buntsandstein-Fassungsbauwerk des Gesprings um 1910 - ©  by Bießmann + Büttner, Reiherstor 9 c, 98574 Schmalkalden (1997)
Dieses, damals vor den Stadttoren idyllisch gelegene Fleckchen Erde inspirierte vor allem auch das Interesse der hessischen Landgrafen. Letztlich zeigten diese sich gönnerhaft und ließen die Quelle als ca. 14 m x 22 m offene Viereckanlage (erstmals 1516) und schmückendem Wappenbeiwerk (erstmals 1642) aus dem in Nähe anstehenden rötlich bis gelblich gefärbten Buntsandstein einfassen. Damit wurde gleichzeitig ein Treffpunkt des Adels für das Abhalten offener Tafeln und das gemeinschaftliche Zusammentreffen nach erfolgreichen Jagdausritten geschaffen.

Hochwasserereignis 10. August 1981 am Gespring (zeitweise vollständige Überflutung der Trinkwassergewinnungsanlagen auf den Gespringwiesen)  - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Trotz der immer wiederkehrenden Hochwässer der Schmalkalde (ca. alle 30 bis 50 Jahre mindestens ein zerstörerisches Extremereignis), die erhebliche Schäden am Fassungsbauwerk anrichteten, ließen sich die in den jeweiligen historischen Epochen verantwortlichen Interessenträger nicht davon abhalten, die baulichen Anlagen am und um das Gespring immer wieder zum Nutzen des Gemeinwesens sachdienlich herzurichten.

hessisches Wappen (hier am ehemaligen Amtsgericht Schmalkalden)  - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Neben der Nutzung der Quelle zur Trinkwasserzwecken bis Ende 2002 wurde die Wasserkraft des grundsätzlich um 7 bis 8°C warmen Überlaufs zum Betreiben von Mühl-, Hammer- und Schleifwerken auch gerade in den streng frostigen mittelalterlichen Winterzeiten als Standortvorteil erkannt und geschickt ausgenutzt. Die Reste des heutigen Fassungsbauwerks sind das Renovierungsergebnis aus dem Jahr 1662, welche 1742 durch zwei Wappensteine ergänzt wurden; nämlich durch das hessische Wappen und durch das schmalkaldische Stadtwappen.


technische Einrichtungen im Hochbehälter Kienbach (Oberschönau) mit intergrierter Trinkwasseraufbereitungsanlage (erbaut 2006 bis 2007)  - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Im Laufe der Jahrhunderte bis zur Gegenwart waren die Aktivitäten auf den leitungsgebundenen flächendeckenden Ausbau des Versorgungsnetzes gerichtet. Hierbei spielten vor allem die Weiterentwicklung der Rohrmaterialien und deren Eignung für einen hygienisch unbedenklichen Trinkwassertransport eine dominierende Rolle. So sind der Einsatz von Holz, Ton, Gusseisen, Stahl, Asbestbeton, Steinzeug, diversen Kunststoffen (PVC, PE) u. a. als Rohrwerkstoff historisch belegt. Aufgrund weiterer Zunahme anthropogener Aktivitäten (Bevölkerungswachstum, Zersiedelung, Wege- und Straßennetz ...) bestand die Notwendigkeit den steigenden Trinkwasserbedarf durch Erweiterung der Versorgungsstruktur sicherzustellen. Hierzu zählten neben der Erschließung neuer geeigneter Wasserdargebote vor allem der Ausbau von in Versorgungsgebietsnähe liegenden Hochbehälterstandorten und Trinkwasseraufbereitungsanlagen mit erforderlichenfalls leistungsfähigen Pumpwerken.

Der letzte gravierende Einschnitt in das Organisationsgefüge der öffentlichen Wasserversorgung war die Gründung von kommunalen Zweckverbänden als Entflechtungsergebnis der aus DDR-Zeiten stammenden Kombinatsstrukturen (VEB WAB) zum 01.01.1993. Auch wenn der Anschlussgrad weit über 95% betragen hatte, waren dennoch gewaltige Aufgaben im Zusammenhang mit der Modernisierung und Sicherstellung der hygienischen Unbedenklichkeit im Bereich der öffentlichen Trinkwasserinfrastruktur zu lösen. Diese Aufgabe wird auch mittel- bis langfristig weiter im Zentrum der Aufmerksamkeit bleiben.


Abwasserbeseitigung

die Werra (hier bei Breitungen) musste zu DDR-Zeiten die Hauptlast an nur mechanisch vorgereinigter häuslicher Schmutzfracht aufnehmen und "verarbeiten" - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Im Bereich der öffentlichen Abwasserbeseitigung galt und gilt es im Raum um Schmalkalden den größten, aus der Vorwende stammenden Nachholbedarf im abwassertechnischen Infrastrukturaufbau auszugleichen. Schmalkalden war die einzige ehemalige Kreisstadt in Südthüringen, die zu DDR-Zeiten über keine öffentliche Kläranlage mit biologischer Reinigungsstufe verfügte. Es gab flächendeckend lediglich mechanische Absetz- bzw. Ausfaulgruben - selbst für Neubausiedlungen in Plattenbauweise (z. B. Neubaugebiet "Walperloh" in Schmalkalden) mit mehreren tausend Einwohnern -, deren Überläufe direkt in die Fließgewässer wie Werra, Schmalkalde, Truse, Flohbach und deren Nebenflüsse eingeleitet wurden. Ein gewässerökologischer Notstand durch extrem hohe Nährstoffbelastung (hocheutroph) war die Folge, der erst im Umfeld des politischen Wendeumbruchs deutlich verbessert bzw. abgewendet werden konnte.

ein herausragendes Investitionsprojekt zur geordneten und umweltschonenden kommunalen Abwasserbeseitigung ging 1997 in der 1. Ausbaustufe in Betrieb - die Gruppenkläranlage des Abwasserzweckverbandes Schmalkalden und Umgebung - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Hierfür waren bis heute - vom Freistaat Thüringen hoch geförderte - Neuinvestitionen von mehr als 100 Mio. € erforderlich. 1997 ging dann endlich die vollbiologisch reinigende Gruppenkläranlage am Standort Niederschmalkalden für das Einzugsgebiet der Stadt Schmalkalden mit umliegenden Ortschaften in Betrieb. Dies war der entscheidende Schritt, um das flächendeckende System an mit Abwasserabgabenerklärungen belegten Teilortskanalisationen (TOK) und zahlreichen direkten Kleineinleitungen (<8 m³/d) Schritt für Schritt durch einen flächigen kanaltechnischen Vollanschluss zu ersetzen. Diese Aufgabe wird uns noch viele Jahre begleiten und weitere beachtliche Tiefbauinvestitionen erforderlich machen.

pendelbetriebene Abwasserpumpen im zentralen Abwasserpumpwerk des Trusegrundes am Standort "Ölmühle" - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Zunächst mussten die im Einzugsgebiet völlig fehlenden Hauptsammlersysteme mit diversen Begleiteinrichtungen, wie Regenbecken, Pumpwerke, Fernwirktechnik u.ä. errichtet werden, um die auf die Vorflut (Fließgewässer) orientierten Ortskanalisationen auf das auf der öffentlichen Gruppenkläranlage endende Sammlersystem aufzubinden. Erschwerend kam hinzu, dass in einer der ersten Bauphasen dieses Sammlersystem bis zur Stadt Brotterode am Fuße des Inselsberges (916 m NN) - also in eine Hochlage des Thüringer Waldes - geführt werden musste, weil in diesem Ort mit seiner kompakten Kernbebauung mehr als 2.000 Einwohnerwerte (EW) Abwasserlast anfallen. Diese Konzentration an häuslicher und (klein)gewerblicher Schmutzfracht galt es lt. EU-Normierung bis Ende 2005 mittels einer dichten und funktionsfähigen Kanalisation auf einer öffentlichen vollbiologischen Kläranlage zu reinigen. Im Ergebnis waren ca. 15 km Hauptsammler, 8 Regenbecken und ein Pumpwerk allein im Trusegrund mit seinen z.T. sehr komplizierten Baugrundverhältnissen (großvoluminöse Hangschuttdecken, kompakter gewachsener Fels) einschließlich Truse-Querung (bautechnisch anspruchsvolles Dückerbauwerk) zu errichten.


zentrales Abwasserpumpwerk Breitungen mit Hochwasserentlastungsanlagen (Standort Werrabrücke Rathausstraße) - ©  by WL Dr.U.Ska (GEWAS)
Eine zusätzliche Besonderheit im Bereich der Werra-Achse um Breitungen gilt es mit den flächigen Salzauslaugungsabsenkungen zu beachten, die im Zuge der geomorphogenetischen Entwicklung zu unerwünschten geodätischen Tiefpunkten in der Kernbebauung geführt haben, so dass dort mehrfach kleinere Abwasserpumpwerke zu errichten waren, weil ein Freigefälleabfluss des Abwassers dort wirtschaftlich nicht ausgeführt werden konnte. Darüber hinaus sind negative Auswirkungen von bei Werra-Hochwasser auftretenden Rückstauereignissen auf die fertiggestellte Kanalisation zwingend bautechnisch auszuschließen. Dafür war und ist es unumgänglich, dass die Funktionsweise der in der Werra-Gemeinde Breitungen erforderlichen zentralen Abwasserpumpwerke einschließlich der mit diesen verbundenen Abwasserrückhaltevolumina im Bedarfsfall mit einer pumpenmechanischen Hochwasserentlastung verkoppelt werden kann.


Zukünftige Vorhaben konzentrieren sich aus gewässerökologischer Sicht vor allem auf den Sammleranschluss von schmutzfrachtintensiven Teilortskanalisationen, die immer noch in die Vorflut entwässern. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt der nächsten 10 bis 12 Jahre ergibt sich mit dem Bau des Sammlersystems nebst Regenbegleiteinrichtungen im Einzugsgebiet der Schmalkalde nördlich von Weidebrunn und der Stille in Richtung der Ortschaft Springstille.